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Fridays for Future Logbuch
"Eine Entschuldigung für die Schule" von Mooni



2019 09 21 FFF Demo in Hameln

Gestern war hier bei uns im beschaulichen und abgelegenen Hameln die dritte Fridays for Future Demo und auch zur Überraschung der Mitveranstalter haben sich nach Schätzungen der Polizei über 1300 Menschen zusammengefunden um für das Klima zu streiken.

Beginn war um 1100 vor dem Hochzeitshaus am Pferdemarkt mit diversen Sprecherinnen und Sprechern, unter anderem von NaBU aber auch von den hiesigen Schulen wie dem Victoria Luise Gymnasium, dem Schiller Gymnasium und einer hiesigen freien Schule von der ich noch nie gehört hatte. Auch soll es demnächst eine eigene Hamelner Ortsgruppe von #ParentsForFuture geben. Man darf gespannt sein.

Die Schule unserer Kinder, die Oberschule Hessisch Oldendorf war überhaupt nicht vertreten. Soweit ich weiss sind die Kinder dort größtenteils überhaupt nicht im Bilde noch wird es von der Schule unterstützt. Wir haben unseren beiden kleineren Kindern für heute einfach mal frei gegeben. Dann ist das so. Witzig war der Anruf in der Schule. Als ich sagte das meine Kinder nicht zur Schule kämen hiess es nur "Ach, sind sie krank?" "ne, ist Freitag.". Auf der anderen Seite nur Stille und sehr sehr lautes Nachdenken...

Auf der Demo haben wir dann noch unsere große Tochter (das Kind mit Hörnern dran) und ihren Freund getroffen, die ebenfalls an der Demo teilgenommen haben. Söhnchen musste leider arbeiten. Da muss er halt durch. Streik fürs Klima gilt offenbar nicht für Lehrlinge.

Die Demo bewegte sich durch die Bäckerstrasse an der Rattenfängerhalle vorbei über den Ostertorwall zum Rathausplatz. Dabei konnte man auch schön diverse Autofahrer beobachten die wegen der Demo still standen. Mit laufendem Motor, damit die Klimaanlagen weiterlaufen. Einer machte sich einen Spass draus mit seinem Auto immer den Motor hochzujagen. Erinnert mich ein bisschen an die Situation in Amerika. Es geht nicht um Argumente oder um Ziele sondern um "liberal tears". Dem verhassten Gegner emotionale Schmerzen zuzufügen. Ich denke wir haben in Hameln auch unser gerütteltet Maß an Reichsbürgern, Chemtrailgläubigen und diversen Verschwörungstheoretikern. Einige davon habe ich sogar persönlich getroffen. Das waren sehr hässliche Gespräche.

Auf dem Rathausplatz sprach dann nochmal die Frau von NaBu zu den Forderungen von Fridays for Future zu Herrn Griese, dem Bürgermeister der Stadt Hameln. Der hat dann ein paar politische Sprechblasen abgesondert, wurde dann aber von dem Hagen zurechtgestutzt weil in der letzten Sitzung des Stadtrats als das Thema auf Klima und Ökologie kam das Thema sofort mit "Überspringen wir!" abgewürgt wurde. Herr Griese ist als Bürgermeister in erster Linie wohl Verwaltungsbeamter, aber auch er hat eine Stimme und hat wohl dazu nichts gesagt (hach ja, die liebe Karriere). Fand er nicht gut. Fand er sichtbar nicht gut.

Ach ja. Mein Chef war auch da und hatte etwas zum Thema Umweltschutz und Innovation und dergleichen zu sagen. Aber das war eher Wirtschaftssprech und hat den Kids nichts gegeben und sie überhaupt nicht angesprochen. Ich hab das Gefühl das viele Erwachsene überhaupt nicht verstehen was in jungen Menschen vorgeht und was die für (begründete) Ängste und Sorgen haben. Die interessiert nicht ob es das Wachstum bremst, wie die Entwicklungen auf dem Jobmarkt sind oder ob das Bruttosozialprodukt steigt oder sinkt. Die haben schlicht Angst, das wir alle vor die Hunde gehen. Und ich denke mal, so verkehrt liegen die da gar nicht.

Nach der Demo sind die meisten in die Stadt abgewandert, wir haben unsere Kinder aber in unser lokales Kulturzentrum den "Regenbogen" begleitet zur "Jugendklimakonferenz". Als Verziehungsberechtigte wollten wir ihnen die Möglichkeit dazu geben sich ein Bild zu machen und sich zu äussern. Für die Kids war das einfach großartig. Die waren noch Müll sammeln und haben dann Arbeitsgruppen gebildet und darüber philosophiert was man vor Ort alles machen könnte (selber machen statt nur fordern). Moderiert wurden sie dabei von Jugendarbeitern der Stadt und einem Pfarrer der da rumlief. Für mich machte es den Eindruck das man versucht hat eine gutbürgerliche Revolution hinzumoderieren. Mir kam der Satz "The revolution will be televised" in den Sinn. Irgendwie ist es den Leuten noch nicht zu Bewusstsein gekommen das die Klimakatastrophe die uns gerade überrollt Opfer fordern wird. Entweder opfern wir unsern Lifestyle und Konsumismus oder die Gesellschaft als ganzes. Entweder schränken wir uns drastisch ein und müssen eine neue Art zu Leben entdecken oder wir gehen mit Champagner und Iphone, mit Full HD und Dolby Surround mit einem Knall in den Orkus. Ist jedenfalls meine Meinung dazu.

Insgesamt war das für unsere Kids ein toller Tag. Viele Eindrücke, viel gelernt, viel gesehen, viel erlebt. Mal sehen wohin uns das führt.